Wie Heimkommen
Roland Hänggi im Interview über Arbeit, Haltung und Ruhestand
von Dr. Elena D’Cruz
01. Juli 2026
Es ist kurz nach sechs Uhr morgens in Tema, Ghana. Roland steht auf, macht sich für den Tag bereit, frühstückt. Heute gibt es Omelette mit frischer Peperoni und Chili, dazu Kaffee. Manchmal macht er sein mitgebrachtes Müsli mit Wasser und etwas Dosenmilch. Gegen neun Uhr ist er auf der Baustelle: Roland unterstützt die gemeinnützliche Organisation FAFA beim Bau eines Zuhauses für Kinder aus Ghana, die dort Bildung, Unterkunft und Sportförderung erhalten. Er bleibt bis zum späteren Nachmittag, damit er vor Dunkelheit zurück in der Unterkunft ist. Zum Abendessen kauft er sich gerne unterwegs am Strassenrand gebratenen Reis mit fangfrischem Fisch und Gemüse. Daheim setzt er sich nochmals hin, zeichnet Pläne, überarbeitet Elektroschemata, denkt den nächsten Schritt voraus.
Es ist ein Alltag, der wenig mit klassischen Projektmeetings, KPIs und Deadlines zu tun hat. Und doch vereint er alles, was Roland über Jahrzehnte geprägt hat. Darüber und über andere Themen haben wir mit Roland während seinem Aufenthalt in Ghana am Telefon besprochen.
Coopers: Roland, wie fühlt sich dieser Moment für dich an, nach so vielen Jahren im Projektleben nun im Ruhestand zu sein?
Roland Hänggi (RH): „Ganz ehrlich: Die ersten Wochen waren noch voller Kopfkino. Nach 43 Jahren und einem Monat in der IT läuft der Job nicht einfach aus dem System. Besonders nicht nach über zwanzig Jahren in einer High-Performance-Kultur, in der 100 Prozent eher das Minimum waren und 120 Prozent der Anspruch. Die Weihnachtszeit hat mir geholfen, runterzufahren. Und dann kam der 4. Januar 2026. Die Reise nach Ghana. Das war wie ein klarer Schnitt. Ein anderer Fokus. Seitdem ist der Job innerlich abgeschlossen. Der Haken ist gesetzt.
Aber ich muss gestehen, der Perfektionismus ist geblieben und kollidiert manchmal mit der afrikanischen Gelassenheit. Zeit funktioniert hier anders. Wenn jemand sagt: I’m almost there, kann das vieles bedeuten. Eine halbe Stunde, ein halber oder auch ein ganzer Tag. Früher habe ich nach der Uhr gelebt. In Ghana lerne ich, sie loszulassen.“
in good company in den Ruhestand
Zwei Dinge waren ihm klar: Er wollte am Ende seiner Karriere noch einmal als Freelancer arbeiten. Und am liebsten mit Coopers.
Coopers: Warum gerade mit Coopers?
RH: „In meinem Job habe ich mit sehr vielen Recruiting Agenturen zusammengearbeitet, auch mit Coopers. Ich kannte Linda und hatte mit ihr schon eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut. Dieses Vertrauen wurde durch den angenehmen Kontakt mit anderen Coopers noch verstärkt. Als dann genau in diesem Moment eine passende Stelle bei Coopers offen war, fühlte es sich nach Fügung an, nicht nur nach Zufall. Nach einem Interview beim Einsatzbetrieb war innerhalb von zwei Wochen alles unter Dach und Fach.“
Was für ihn den Unterschied gemacht hat, war nicht nur die fachliche Passung, sondern das Gefühl, als Mensch wahrgenommen zu werden. Als Roland. Nicht als Ressource. Das Familiäre, die Nähe, der respektvolle Umgang. All das hat er bei Coopers immer gespürt.
Coopers: Würdest du Coopers weiterempfehlen?
„Jederzeit.“
Komplexes zerlegen wie Lego-Steine
Rolands Arbeitsweise folgt keiner Methode, sondern einer Haltung. Drei Stärken haben sein Denken und Handeln geprägt, bis heute.
Coopers: Was treibt dich bei deiner Arbeit an?
RH: „Ich hatte immer das Glück in Positionen zu arbeiten, in denen ich meine Stärken leben konnte. Zuerst einmal mein spielerischer Zugang zu Herausforderungen. Probleme sind für mich keine Hindernisse, sondern Einladungen zum Knobeln. Wo andere Komplexität sehen, beginnt für mich das Spiel.
Zweitens, meine Fähigkeit, Komplexes zu zerlegen, wie bei Lego. Das ist mein Naturelle. Ich denke in Bausteinen, vereinfache, ordne neu und setze erst dann alles wieder zusammen. Ein Mentor sagte einmal zu mir: Du denkst viel zu kompliziert, Roland. Das blieb hängen. Seitdem denke ich zuerst auseinander, bevor ich neu zusammensetze. Die eigentliche Kunst besteht darin, multidimensional denken zu können, bevor man die einzelnen Teile wieder zu einem stimmigen Ganzen zusammenführt.“
Und drittens: Roland denkt in Bildern. Immer vom Ideal-Endzustand ausgehend. Erst danach folgen Details, Prioritäten, Entscheidungen. Er sagt: „Externe Faktoren wie ein Budget setzen den Rahmen, in dem ich nach dem Min-Max-Prinzip arbeite: Was ist zwingend, was ist möglich und was kann warten.“
Diese Denkweise ist längst Teil seiner Lebenseinstellung geworden. Auch in Ghana nutzen ihm seine Stärken und seine positive Haltung.
Ghana – Rolands Herzensheimat
Coopers: Was siehst du, wenn du auf dem Gelände sitzt?
RH: „Ich sehe nicht nur die Weite und die gebauten Häuser. Ich sehe Kinder, die über den Platz kicken. Kinder mit Schulbüchern unter dem Arm. Kinder, die lernen, lachen, bleiben dürfen. Viele von ihnen sind sehr arm, oft Halb- oder Vollwaisen. Das Projekt von FAFA ist langfristig gedacht. Die Kinder können über Jahre hier sein, von der Grundschule bis hin zur Universität. Es entsteht ein Ort, an dem Bildung, Alltag und Gemeinschaft zusammenwachsen.“
Coopers: Wann war dir klar: Das hier ist mehr als ein Projekt?
RH: „Direkt beim ersten Besuch. Als ich aus dem Auto auf diese grosse, weite Fläche gestiegen bin. Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Oder wie ich es beschreibe: Es war wie Heimkommen.“
Was Roland an diesem Ort zusätzlich berührt, ist seine besondere geografische Lage: In der Nähe kreuzen sich der Äquator und der Nullmeridian. Zwei Hauptachsen der Erde. Für ihn ein starkes Symbol, das ihn zentriert.
Ghana ist für Roland zu einer Herzensheimat geworden. Seine Frau empfindet es genauso und unterstützt sein Engagement, auch aus der Schweiz heraus. Sie gibt ihm den Freiraum, diesen Weg zu gehen.
Coopers: Wie sieht dein Alltag hier abseits der Baustelle aus?
RH: „Am Wochenende nehme ich bewusst Tempo raus. Manchmal fahre ich an die Küste, in ein kleines Hotel, geniesse das Meer und den Pool. Baden im Meer ist wegen der starken Strömungen eigentlich zu gefährlich. Ghana ist touristisch kaum erschlossen. Dafür bin ich dankbar. Als White Man kennt man mich längst im Dorf. Der typische Handschlag mit Schnipp, ein paar Worte auf Twi, mein Name – und das Eis ist gebrochen. Manchmal lade ich mein Team zum gemeinsamen Essen ein oder koche für sie. Wir sitzen zusammen, essen, lachen und teilen Alltag.“
Arbeit, die Sinn macht
In Ghana ist Roland für alles Bauliche zuständig. Bauplanung, Offerten, Gespräche mit Bauleitern, Abstimmungen, nächste Schritte. Schulgebäude werden ausgesteckt, Fortschritte dokumentiert, Unterstützer informiert.
Coopers: Was sagst du den Bauleuten, wenn es anstrengend wird?
RH: „Ich sage ihnen immer: Ich mache das nicht für mich. Ich mache das für euch. Für die Kinder. Denn sie sind die Zukunft. Dabei muss ich immer an einen Satz aus einem Lied von Michael Jackson denken: Heal the world, make it a better place, for you and for me and the entire human race. Für mich fasst das ziemlich genau zusammen, worum es hier geht.“
Ein Stück weit können wir das nachempfinden. Bei Coopers begleiten wir Menschen auf ihrem beruflichen Weg. Öffnen Türen, bauen Brücken. Roland geht weiter. Er schafft Orte, an denen Wege, Türen und Brücken überhaupt erst möglich werden.
Coopers: Lieber Roland, unser Gespräch kommt zum Ende. Was steht heute noch auf deinem Plan?
RH: „Gerade sind Handwerker auf der Baustelle. Wir besprechen die nächsten Arbeiten, schauen Offerten an, geben neue Schritte frei. Ich spreche mit dem Bauleiter über Preise. Wir möchten lieber Tagesansätze als fixe Beträge. Dann kann ich das Team anweisen, worauf sie achten sollen – auch wenn ich wieder zurück in der Schweiz bin. Am Montag stecken wir die Schulgebäude aus. Davon mache ich Bilder. Manche Unterstützer fördern gezielt Schulprojekte. Denen schicken wir dann die Fotos und zeigen, wofür Fafa steht. Wie es aussieht. Was entsteht.“
Roland lächelt in die Kamera. Wir verabschieden uns und legen auf. Zeit, zurück auf die Baustelle zu gehen.
Was ihn all die Jahre im Job ausgezeichnet hat – Verlässlichkeit, Klarheit, Menschlichkeit – lebt heute in einem anderen Kontext weiter. Vielleicht ist genau das die schönste Form von Kontinuität.
Wir freuen uns sehr, dass wir Roland ein Stück auf seinem (Karriere)Weg begleiten und über sein inspirierendes Engagement berichten durften. Wir wünschen ihm von Herzen alles Gute!
#ingoodcompany
Mehr von Coopers auf LinkedIn
Coopers World
Procurement Day 2026
Der Coopers Procurement Day hat sich als feste Institution im Schweizer Procurement etabliert. Auch 2026 trafen sich Einkaufsexpert:innen in Zürich zum fachlichen Austausch. Jetzt Blogbeitrag und Bildergalerie entdecken.
Coopers Sommer Apéro Zürich 2026
Der Coopers Sommer Apéro Zürich 2026 am schönen Zürichsee war dank der wundervollen Gäste wieder ein erinnerungswürdiger Abend. Hier geht es zur Bildergalerie.
"Strategy is about execution"
Neues Verwaltungsratsmitglied Michael Wiendl darüber, wie er zu Coopers kam, seine strategischen Überlegungen und Menschlichkeit. Hier das vollständige Interview lesen.
One Coopers Family
Mehr Reichweite, mehr Expertise: Coopers und iET sind nun offiziell eine Firma mit Niederlassungen in Basel, Bern und Zürich. Erfahre hier mehr